Denkansätze und Übungen für Trauernde Teil 2

5. Ich bin noch hier

 

Erlaube Dir, eifersüchtig zu sein und auch von dieser Welt gehen zu wollen. Erlaube Dir den Gedanken, Dir zu wünschen, Du seist tot. Er ist nach einem schweren Verlust häufig da. Ich habe immer wieder Klienten, bei denen mir der Verstorbene Tabletten oder Alkohol zeigt und mir davon erzählt, dass der Hinterbliebene Selbstmordgedanken hat, aber nicht darüber spricht. Die Gedanken sind also normal, auch wenn Du sie nicht umsetzen sollst, erlaube Dir, das zu denken. Denn nur, weil Du es nicht aussprichst, verschwindet das Gefühl nicht. Im Gegenteil, es wird im Verborgenen immer stärker und kann schneller zu einer Kurzschlussreaktion führen. Wenn Deine Familie darüber nichts hören will, versuche sie zu verstehen. Sie haben Angst, nun auch noch Dich zu verlieren. Suche Dir jemand, mit dem Du offen über Deinen Wunsch zu sterben reden kannst, der Dich ernstnimmt, und am besten ist es, Du suchst Dir professionelle Beratung. Es gibt gute Trauergruppen und Trauerbegleitungen.

Und dann versuche zu verstehen, dass Du noch Aufgaben auf dieser Welt zu erledigen hast. Es hat einen Grund, warum Du auf dieser Welt bist, und versuche für Dich zu erspüren, welcher es ist. Dazu gibt es viele Möglichkeiten wie Seminare, Bücher oder indem Du auf Dein Gefühl hörst, was Dir Freude macht und was Du in diese Welt bringen willst.

 

6. Blickwinkel

Versuche Deine Trauer und diese Welt aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Ich weiß, es ist viel verlangt, und es kann gut sein, dass Du noch etwas Zeit brauchst, die Wahrheit und den Sinn in den folgenden Worten anzunehmen:

Wir sind alle reine Energie, nicht auflösbar, nicht zerstörbar, nur veränderbar. Unsere Seele hat lange vor unserem Körper existiert und existiert auch lange nach ihm. Unser Leben hier auf der Erde ist von der Ewigkeit aus betrachtet, die uns danach erwartet, nur ein kurzer Moment.

Auch die Verstorbenen sagen oft: wir sind doch bald wieder zusammen. Für sie ist die Zeit, die wir hier auf der Erde verbringen, wie Sekunden für uns. Versuche immer mal wieder (vielleicht auch nur für ein paar Minuten), Dir unsere Welt aus dem Weltraum betrachtet vorzustellen, spüre, wie schnell die Zeit verrennt und versuche, diese kurze Zeit, die Du für Dich im Gefühl vom Getrenntsein verbringst, gut und freudig zu verleben, so dass Du dann später einmal voller guter Erfahrungen und voller Liebe von Deinem geliebten Verstorbenen abgeholt wirst.

 

7. Räum der Trauer einen Platz ein

 

Viele Menschen warten darauf, dass die Trauer nachlässt, dass es irgendwann nicht mehr wehtut oder man gut damit leben kann.

Nimm die Trauer als einen Teil deines neuen Leben an. Meiner Erfahrung nach hört die Trauer nie auf. Und vielleicht ist es auch gar nicht der Sinn, ein schmerzfreies Leben zu führen. Vielleicht gehört der Schmerz, die Sehnsucht und die Trauer zu einem Leben auf dieser Erde dazu. Versuch es nicht „weghaben“ zu wollen oder zu unterdrücken. Denn dann wird es Dich Stück für Stück einnehmen und immer tiefer ziehen. Nimm es an, dass es wehtut und dass es, egal wie lange der Verlust zurückliegt, wehtut. Trauer kennt keine Zeit.
Das heißt nicht, dass Du nicht Freude und Leichtigkeit empfinden kannst und sollst. Sondern gerade das Gegenteil. Wenn Du den Schmerz als Teil in Deinem Leben annimmst, kannst Du neben dem Schmerz zur selben Zeit dankbar für die schönen Dinge in Deinem Leben sein, kannst mit Deinen Freunden oder Kindern lachen oder es Dir gutgehen lassen. Es sind zwei Seiten derselben Medaille, die beide Teil Deines Lebens sind.

 

8. Ansätze Deiner Trauer Ausdruck zu verleihen

 

Ich bin künstlerisch äußerst unbegabt, aber ich habe es zu schätzen gelernt, über Bilder meine Gefühle zum Ausdruck zu bringen, die ich nicht greifen konnte.

Versuche, Dir ein Thema zu nehmen, wie z.B. Schmerz, Wut oder Traurigkeit, und setze Dich mit einem sehr großen Blatt Papier und Bunt- oder Wachsmalstiften hin und male 10 Minuten ohne Pause zum Thema. Wichtig ist: Bleib im Fluss, wechsle nur kurz die Stifte und male immer weiter. Es befreit. Du kannst auch, wenn Du schon etwas Übung mit dem Erfühlen der geistigen Welt hast, Bilder zur geistigen Welt, Deinem Geistführer oder der Energie Deines Verstorbenen malen.

Ich habe meinem Vater in seiner Krankheit immer Aura-Bilder gemalt, um zu sehen, was Chemotherapie und Kortison mit der Aura anrichten. Als er dann nach Hause zurückgekehrt war, habe ich ein Bild von seiner Energie als Seele in der geistigen Welt gemalt. Es war sehr schön für mich zu sehen, dass alle „negativen“ Energien (alle Muster, Blockaden, Schmerzen etc) sich völlig aufgelöst hatten und er nur noch „Lichtenergie“ war.

Das wichtige ist: Geh spielerisch damit um. Es gibt kein richtig und falsch und keine absolute Wahrheit. Achte auf alles, was Du fühlst, denn das ist für Dich das Richtige.

Kein Medium der Welt kann Dir zu 100% sagen, wie es Deinem geliebten Verstorbenen geht oder was für Dich und Deine Trauer das Richtige ist. Fühle, entscheide, revidiere selbst – und geh neue Wege. Und auch wenn es in manchen Momenten unmöglich klingt: Versuche liebevoll mit Deiner Trauer umzugehen. Es ist eine große Wachstumschance. Fang an Deine Trauer zu lieben und sie nicht immer ganz so ernstzunehmen. Denn sterben werden wir auch alle einmal. Was wir bis dahin daraus machen, liegt jedoch in unserer Hand.

 

 

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